Der rote Punkt - Traditionelles Bogenschießen
Der rote Punkt - Traditionelles Bogenschießen

Der F.O.C.%

Und damit betreten wir die heiligen Hallen des absoluten Hardcore-Tunings. Viele Schützen wissen meistens nicht, was der F.O.C.% ist. Der Grund liegt darin, dass sie kein Problem damit haben, was der F.O.C.% (Forward of Center percent) bedeutet: Die Schaftbalance.


Aber wie gesagt, dass ist Harcore-Tuning für Fetischisten. Man kann auch getrost gut schießen, ohne den F.O.C.% seiner Pfeile zu kennen.
Meistens baut oder kauft man seine Pfeile nämlich so, dass die Spitze automatisch so schwer ist, dass der Pfeil kopflastig wird. Und dementsprechend einigermaßen gut fliegt.


Manchmal gibt es aber Probleme. Oder man hat spezielle Wünsche.

Zum einen, wenn die Spitze zu leicht für einen langen (und damit hinten schwereren) Schaft ist. Dann besteht die Gefahr, dass der Pfeil in der Luft „schwimmt" und keine saubere Parabel aufweisen kann. Die andere Bedrohung ist die einer viel zu schweren Spitze auf einem zu leichten oder zu kurzen Schaft. Dann hat der Pfeil die Parabel eines geworfenen Apfels.

Man kann den optimalen Balancepunkt auf dem Schaft aber bestimmen, bei dem der Pfeil einen sauberen Flug hinlegen wird.


Dazu bestimmt man folgende Komponenten:

- Den Balancepunkt: Das ist der Punkt (bei angebrachter Spitze, Nock und Federn), bei dem der Pfeil gut auf einer Kante balanciert werden kann. Dieser Punkt wird nun auf dem Schaft farblich markiert, die Strecke A wird gemessen.
- Die Länge bzw. Mitte des Schaftes: Gemessen wird dieser ohne Spitze und ohne den Rand des Inserts, bei getaperten Schäften bis zu dem Punkt, an dem der volle Durchmesser des Grundschaftes aufhört.

 

Nun rechnet man den F.O.C.% mit folgender Formel aus:

 

F.O.C% = 100 x [A-(B/2)] / B

 

A entspricht der Länge von der Nockenrinne bis zum Balancepunkt (beinhaltet also die Befiederung und eine evtl. vorhandene Nockverstärkung), B ist die exakte Länge des Pfeilschaftes ohne Nock und ohne Spitze.

Als Rechenbeispiel: Der Balancepunkt liegt bei meinen Pfeilen 46,3 Zentimeter (=A) vor der Nockenrinne, der Schaft ist 73cm lang ist, Inklusive Nockinsert (=B). Die Rechnung lautet:

 

F.O.C.% = 100 x [46,3cm - (73cm / 2)] / 73cm

 

Das entspricht einem F.O.C. von 13,4%. Ein ziemlich gutes Mittelmaß für einen 3D-Schützen, der gerne jagdliche Distanzen schießt.

 

Für Turnierschützen, welche oft weite Schüsse bis 50, 60 Meter machen, ist ein F.O.C.% zwischen 8 und 12% optimal, denn damit hat man eine geringe Kopflastigkeit, die Pfeile sinken nicht so schnell ab.


Ein F.O.C.% von 10 – 20% ist für Schützen in der freien Natur gut geeignet, denn die Einwirkung der schwereren Spitze auf die Flugbahn ist bei geringeren (jagdlichen) Distanzen von etwa 20 – 30 Metern nicht so gravierend, während die „Wucht" des schwereren Vorderteils den Pfeil bei Ablenkungen durch Äste oder Blätter besser stabilisiert. Ein noch höherer F.O.C.% ist bei Bogenjägern beliebt, da durch die Vorderlast mehr Einschlagskraft des Pfeiles resultiert.

 

Ich denke, mit dem Spitzen- und Schaftmaterial, was man zur Verfügung hat, kann es einem nur unter böser Absicht passieren, einen F.O.C.% zu haben, der die Pfeile unmöglich fliegen lässt. Es stellt sich wieder die Frage, was man haben will. Einen guten Turnierpfeil, der auf sehr weite Distanzen geradeaus fliegen kann, oder einen „Outdoorpfeil", welcher auf „kürzere" Distanzen absolut stabil wie ein Eisbrecher in der Luft liegt.

 

Wie Sie aber sicherlich schon bemerkt haben, hängen der F.O.C.%, bedingt durch das Spitzengewicht, und der dynamische Spine direkt miteinander zusammen. Wünschen Sie nun einen F.O.C.% in einer bestimmten Größe, bedenken Sie, dass sich dadurch der dynamische Spine ebenfalls ändert.



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April 2012

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